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11.01.2022

Schädel gibt Einblick in Dinosaurier-Hirn

Eine Rekonstruktion des Dinosauriers "Struthiosaurus austriacus", der in der späten Kreidezeit im heutigen Österreich lebte. (Pressebild) Bild: Fabrizio De Rossi
Paläontologie – Anhand eines fossilen Schädelteils eines Dinosauriers haben Forschende der Universitäten Wien und Greifswald gezeigt, dass die zur Gruppe der Ankylosaurier gehörenden Tiere wohl recht behäbig als schlecht hörende Einzelgänger unterwegs waren.

Die im 19. Jahrhundert in Österreich ausgegrabenen Fossilien gehören einem Dinosaurier, der als "Struthiosaurus austriacus" beschrieben wurde und zur Gruppe der Ankylosaurier zählt.

Diese Ankylosaurier waren bis zu acht Meter grosse, pflanzenfressende Tiere, die mit massiven Knochenplatten gepanzert waren und in zwei Untergruppen eingeteilt werden. Eine davon, die Ankylosauriden, besassen eine Keule am Schwanzende, mit der sie sich verteidigen konnten. Die andere Untergruppe, die Nodosauriden, zu der auch "Struthiosaurus austriacus" gehört, verfügte dagegen in der Regel über lange Stacheln im Hals- und Schulterbereich zur passiven Verteidigung.

Um mehr über die Lebensweise dieser Tiere herauszufinden, untersuchten Cathrin Pfaff von der Universität Wien und Marco Schade von der Universität Greifswald einen rund fünf Zentimeter grossen Teil des Schädelfossils mit einem hochauflösenden Computertomographen (CT). Die Ergebnisse erschienen im Fachmagazin "Scientific Reports".

Kommunikativ wie Schildkröten

Mithilfe der Daten konnten die Forschenden den Hohlraum des Hirnschädels wieder füllen "und so die Form des Gehirns und des Innenohrs digital rekonstruieren". Dies wiederum erlaubte Rückschlüsse etwa auf die Sinnesorgane, die Schädelhaltung und die Lebensweise.

So fanden sie die bisher kürzeste jemals bei Dinosauriern festgestellte Gehörschnecke im Innenohr. Anhand dessen gehen sie davon aus, dass "Struthiosaurus austriacus" schlecht hörte. Deshalb schliessen sie auch darauf, dass es sich eher um Einzelgänger gehandelt haben muss.

Die kommunikativen Fähigkeiten von "Struthiosaurus austriacus" würden etwa im Bereich von heutigen Schildkröten liegen, die nur ein sehr enges Feld an Frequenzen haben, die sie produzieren und wahrnehmen können. Möglich seien aber auch andere Formen der Kommunikation, etwa über ihre Knochenplatten.

Passive Verteidigung

Ebenfalls sehr klein war der Flocculus der Tiere, ein evolutionär alter Teil des Kleinhirns, der bei der Fixierung der Augen bei Bewegungsabläufen des gesamten Körpers eine wichtige Rolle spielt. "Anders als bei seinem nordamerikanischen Verwandten 'Euoplocephalus', der über eine Keule am Schwanz und einen deutlichen Flocculus am Gehirn verfügte, verliess sich Struthiosaurus bei der Selbstverteidigung wohl auf die passive Wirkung seiner Panzerung", so Schade.

All dies würde auf einen äusserst behäbigen Lebensstil dieser "österreichischen" Dinosaurier hindeuten, ohne die Notwendigkeit eines anspruchsvollen Gleichgewichts- und Hörsinns und mit begrenzter sozialer Interaktion.

https://doi.org/10.1038/s41598-021-03599-9

Keystone-SDA