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Uzwil
12.05.2022
12.05.2022 14:36 Uhr

Jens Korte: "Die Bildung ist die Stärke der Schweiz"

Interessante Fragerunde mit Jens Korte, moderiert von Daniele Sangari. Leiter Private Banking der Clientis Bank Oberuzwil. Bild: uzwil24.ch
Am Clientis-Finanzforum vom 11. Mai beleuchtete "Mr. Wall Street", der deutsche Wirtschaftsjournalist Jens Korte, das aktuelle politische und wirtschaftliche Weltgeschehen und ging auch auf die Unterschiede zwischen seiner neuen Heimat USA und der Schweiz ein.
VR-Präsidentin Dr. Barbara Lorenz begrüsste die Gäste zum Clientis-Finanzforum 2022 im vollen Uzwiler Gemeindesaal. Bild: uzwil24.ch

von Jürg Grau

Im aufmerksamen Publikum sassen auch rund 80 Schülerinnen und Schüler des BZWU und der Kantonsschule Wil. Und sie repräsentierten gemäss Jens Korte genau die Stärke der Schweiz, deren Bildungswesen um Welten besser sei als jenes in den USA. Trotzdem kämen die grossen globalen Innovationen vorwiegend aus den USA, weil dort viel mehr Geld in neue Ideen und in Erfindungen gesteckt werde. Im Jahr 2021 300 Milliarden Dollar in den USA, 3 Milliarden Dollar in der Schweiz (wovon 70% ebenfalls von US-Firmen). 

Die wichtigsten Themen in den USA seien aktuell das im Raum stehende Verbot von Abtreibungen und die Inflation. Der Krieg in der Ukraine stehe emotional weniger im Vordergrund, weil die USA nicht so nah am Geschehen seien wie Europa. Trotzdem habe das Parlament gerade entschieden, dass Hilfe für 40 Milliarden Dollar an die Ukraine gehen sollen.

"Einen Gang zurückschalten"

Gemäss Jens Korte wurden "neue" Themen wie Globalisierung, selbstfahrende Autos, Raumfahrt, Kryptowährungen und alternative Energien durch die Pandemie und den Ukraine-Krieg in ihrer Entwicklung abrupt gestoppt. Die Wirtschaft schalte einen Gang zurück und suche neue, teils alte Wege. Längst vergessene Themen wie ein möglicher Atomkrieg und eine hohe Inflation seien wieder auf dem Tisch und beschäftigten auch unsere Jugend.

"Märkte ausser Rand und Band"

Durch die im Nachhinein betrachtet fast unglaubliche Abhängigkeit von russischem Gas und Erdöl, die in den letzten zwanzig Jahren gerade in Deutschland von der Merkel-Regierung geschaffen worden sei, sei nun der Energiemarkt ausser Rand und Band geraten, was auch für die Aktienbörsen gelte. Dow Jones, Nasdaq und Dax zeichneten sich durch grosse Schwankungen mit teils starken Korrekturen nach unten aus. Zum einen aufgrund der Unsicherheiten durch die nicht mehr reibungslos funktionierenden globalen Lieferketten und andererseits aufgrund der Inflation, die weitere Zinserhöhungen der Notenbanken erwarten lasse.

Die De-Globalisierung werde jetzt angepackt. Die produzierenden Unternehmen suchten alternative Lieferanten, wenn möglich im eigenen Land oder möglichst in der Nähe. So baue INTEL aktuell neue Produktionsstätten nicht mehr in China oder Indien, sondern in den USA und in Deutschland.

"Akutes Verteilungsproblem"

Zu denken geben Jens Korte die Entwicklungen bei der Verteilung des Reichtums in der Welt. Eine kleine Zahl von Personen kumuliere immer mehr Geld, vor allem durch Finanztransaktionen und nicht durch reale Werte. Multi-Milliardäre wie Zuckerberg (Meta), Musk (Tesla, SpaceX), Bezos (Amazon) und Gates (Microsoft) hätten sich teilweise Quasi-Monopole schaffen können. Diese Auswüchse seien ungesund. Aber auch diese Ära werde einmal zu Ende gehen. Strengere Wettbewerbsvorschriften könnten dazu beitragen.

Fragerunde

Auf die Frage nach der Bedeutung der Kryptowährungen und deren Zukunftspotential antwortete Jens Korte sehr zurückhaltend. Er könne dies nicht abschätzen, persönlich sei er kein Fan und er sehe Kryptowährungen primär als Spekulationsobjekt. Er glaube nicht, dass Bitcoin & Co. die Währungen der Notenbanken wie Dollar und Euro ablösen werden: "Sicher nicht in den nächsten 30 Jahren".
Auf die Frage nach den Zukunftschancen für die Schweiz verwies er nochmals auf das hervorragende Bildungswesen mit der dualen Berufsbildung und den ausgezeichneten staatlichen Hochschulen. Er lobte vor allem die Schweizer Handwerker, die reale Werte schüfen: "Suchen Sie in den USA mal einen guten Handwerker. Da können Sie ewig suchen!"

Jens Korte: "Betreffend wirtschaftlichen Innovationen spielt die Musik in den USA und in China." Bild: uzwil24.ch
VR-Präsidentin Dr. Barbara Lorenz, umrahmt von Jens Korte (rechts) und Adrian Müller, Vorsitzender der Bankleitung. Bild: uzwil24.ch
jg