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Kultur
14.05.2022
14.05.2022 20:09 Uhr

„Warum heute noch glauben?“

Bild: zVg / uzwil24.ch
Mit diesem Thema eröffnete Pater Dr. Markus Schulze SAC die Vortragsreihe der Seelsorgeeinheit Oberbüren-Niederbüren-Niederwil. Ausgeschrieben und geplant war die Durchführung im Pfarreiheim Oberbüren. Dank eines nicht zu erwartenden Grossaufmarsches platzte das Pfarreiheim aus allen Nähten, obwohl noch nicht einmal alle Interessierten einen Sitzplatz gefunden hatten. Kurzfristig wechselten der Referent und die Anwesenden in die Kirche in Oberbüren.

Als Einstieg zum Thema Glauben befasste sich Pater Schulze mit einer Definition und leitete ab, dass die Basis für den Glauben das Vertrauen ist. Vom Innern der Kirche her gesehen ist der Glaube das Selbstverständliche. Betrachtet man den Glauben jedoch von aussen, erscheint er alles andere als verständlich. Vielen kommt er nicht nur seltsam, sondern gar unvernünftig vor. Denn die Vernunft will Gründe. Ziel des Vortrages von Pater Schulze war denn auch, verschiedene Gründe für den Glauben zu beleuchten.

Nietzsche hat die Überzeugung ausgesprochen, dass man die „Angewöhnung geistiger Grundsätze ohne Gründe“ Glauben nennt. Diese Auffassung teilt Pater Schulze hingegen nicht, denn er ist überzeugt, dass sich für ihn durchaus Gründe anführen lassen, die die Freiheit nicht aufheben. Es geht nicht um zwingende Argumente, sondern um Überlegungen, die die Freiheit des Anderen nicht einschränken und das Gegenüber ansprechen sowie überzeugen wollen.

Das ganze Leben wird vom Glauben beeinflusst. Ob ich an einem unbekannten Ort nach dem Weg frage, ob ich mich einem Meister als Lehrling anvertraue oder ob ich mich von einem Arzt behandeln lasse, immer ist Glauben als Einstellung erforderlich. Ich muss mich auf das Wissen und die Erfahrung des Gegenübers verlassen können. Ich glaube und vertraue, dass es gut kommt. Dass Glauben immer eine Begegnung zweier Freiheiten darstellt, veranschaulicht sich am Beispiel der Liebe. Auch wenn ich einen Menschen liebe, heisst das noch nicht, dass mich der Andere ebenfalls liebt. Es steht in seiner Freiheit, anstatt mich einen anderen Menschen zu lieben.

Glauben gegenüber Menschen kann auch gegenüber Gott angewendet werden. Ich vertraue auf seine Gnade. Dieses göttliche Entgegenkommen ist ein zentrales Element des Glaubens.

Ein weiters Argument, das auf den Sinn und die Vernünftigkeit des Glaubens verweist, ist eine Einsicht von Pater Schulze, die er persönlich im Lauf seiner Studien gewonnen hat. Ihn überzeugen atheistische Welterklärungen je länger desto weniger. Ihnen haften einige Widersprüche an. In unserer liberalen Kultur gibt es den Grundsatz von menschlicher Freiheit, andererseits erklärt die Wissenschaft, der Mensch sei durch die Gehirnprozesse vollständig festgelegt. Für Pater Schulze ist Glauben die Begegnung der göttlichen und menschlichen Freiheit.

Neben vielen tiefgründigen Gedanken und Überlegungen verstand es Pater Schulze, die Anwesenden mit seiner brillanten Rhetorik und gekonntem Wortwitz zu begeistern. Im Anschluss an den Vortrag stand Pater Schulze im Pfarreiheim Oberbüren für Fragen zur Verfügung.

Bild: zVg / uzwil24.ch
Moni Helbling