von Adrian Zeller, Journalist:
Der Einstand der Künstlergruppe Ohm 41 war unübersehbar: In einer spektakulären Überraschungsaktion verhüllte sie vor rund 25 Jahren eine Betonskulptur auf dem Wiler Bahnhofplatz.
Die mannshohe Figur wurde der Stadt 1998 von einer Beton- und Kiesfirma spendiert. Offiziell hiess die Arbeit vom Bildhauer Carlo Crameri «Welcome», der Volksmund nannte sie «winkende Indianer». Sie löste damals bei der Bevölkerung kontroverse Diskussionen aus und wurde schliesslich entfernt.
Kulturpolitik von aussen?
Wenig später ragte eine Nachbildung dieser Skulptur aus Styropor halbversunken aus dem Stadtweier. Was im ersten Moment wie ein Lausbubenstreich wirkte, hatte durchaus einen ernstzunehmenden Hintergrund, wie Ohm41-Sprecher Markus Eugster betonte.
Der mittlerweile pensionierte Lehrer an der Schule für Gestaltung in St. Gallen war einer der Initianten der Überraschungsaktion. «Für uns Kunstschaffenden stellte sich damals die Frage, ob sich eine Stadt wie Wil ihre Kulturpolitik vor allem von aussen, etwa durch eine Lieferfirma für Beton, gestalten lassen will.»
Hohe Medienpräsenz
Die Aktion war der Auftakt zu verschiedenen auffallenden Kunstereignissen von Ohm 41 in den Folgejahren, sie hiessen unter anderem `Taf el ente`, `Gegenwind` sowie `Stille Nacht der Kunst`.
Die Gruppe machte immer wieder von sich reden. Als sie beispielsweise den Fluss Necker rot färben wollte, um auf das anhaltende Flüchtlingselend im Mittelmeer hinzuweisen, rief sie damit die Polizei sowie die TV-Kameras auf den Plan.
Provokation als Arbeitsprinzip
Ohm 41 wurde im Laufe der Jahre zu einem beachteten Impulsgeber in der regionalen Kulturlandschaft. Ihre Überraschungseffekte sind Teil ihres Markenzeichens. Ein weiterer ist gemäss dem ausgebildeten Kulturmanager Markus Eugster ihr widerständiges Verhalten gegen die etablierten Abläufe und Strukturen. Sie drückt sich auch im Namen aus: Ohm ist die Masseinheit für Widerstand.