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Kanton SG
14.05.2021
17.05.2021 09:39 Uhr

"Qualität und Frische sind das A und O"

Melanie und Roman Stüdli vor dem Eingang in den Hofladen. Ihre Produkte verkaufen sie hauptsächlich hier und auf dem Markt. Bild: St. Galler Bauernverband
Familie Melanie und Roman Stüdli betreiben oberhalb von Flawil einen Bauernhof. Ihr Schwerpunkt liegt in der Direktvermarktung mit Obst, Beeren und Eiern. Dazu gehören sie einer Betriebszweiggemeinschaft mit Milchkühen, Ackerbau und Grünland an.

«Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm». Dieses Sprichwort trifft den Nagel auf den Kopf. Denn die Stüdlis gehören auf den Landberg wie der Wind zum Meer. Bereits Ende des 17. Jahrhunderts wird davon gesprochen, dass sie in dieser Region oberhalb von Flawil sesshaft waren. Seit 2011 betreiben Melanie und Roman Stüdli mit ihren drei Kindern Remo (6), Delia (8) und Nico (10) den Bauernhof, den sie von Romans Eltern übernommen haben. Der Obst- und Beerenanbau sowie die 120 Leghennen dominieren den 15 Hektaren grossen Betrieb.

Mitten im Chiafeld: Melanie und Roman Stüdli mit den Kindern Nico, Delia und Remo. Bild: zVg.
Der Landberg befindet sich oberhalb von Flawil. Hier fühlen sich die Stüdlis wohl. Bild: St. Galler Bauernverband

Gemeinsam unterwegs

Die Chemie zwischen den Bauern rund um den Landberg stimmt. Gemeinsam mit zwei weiteren Bauern haben die Stüdlis die Betriebszweiggemeinschaft (BZG) Giren-Landberg gegründet. Alle Bauernfamilien haben eigene Bauernhöfe und betreiben innerhalb der BZG einzelne Bereiche wie die Milchwirtschaft, den Ackerbau und auch die Pflege des Grünlandes gemeinsam. «Obwohl ich keine Kühe mehr habe, rieche ich täglich Stallluft», sagt Roman Stüdli. Jeden Morgen steht er im Kuhstall seines Nachbars und schaut gemeinsam mit ihm zu den Tieren, die von einem Roboter gemolken werden.

Durch die Nähe der Betriebe sehen sich die drei Bauern regelmässig, können sich gegenseitig mit Maschinen und Fachwissen aushelfen oder auch einmal Einspringen, wenn es brennt. Die Flexibilität während den Ferien oder an den Wochenenden ist Gold wert.

Eines der neusten Innovationen sind Chiasamen. Sie werden in der «Betriebszweiggemeinschaft (BZG) Giren – Landberg» produziert. Bild: St. Galler Bauernverband

Saisonales Angebot

«Unser Angebot beschränkt sich auf die eigenen Produkte und solche von unseren Partnern», sagt Melanie Stüdli, während sie die Türe zu ihrem Hofladen auf dem Landberg öffnet. Verschiedenen Apfelsorten, Süss- und Holundermost, Eier, Konfitüren, diverse Sirupe, Käse von der örtlichen Käserei und Produkte der St. Gallischen Saatzucht werden angeboten. Neuste Innovationen sind verschiedene Produkte aus der Chia-Pflanze. Bis anhin kam der Superfood aus Zentralamerika und hatte eine lange Reise hinter sich, bis er in der Schweiz landete. St. Galler Chia ist mit seinen kurzen Transportwegen und der Attraktion für Bienen eine ökologisch äusserst wertvolle Pflanze. «Neben all den pflanzlichen Produkten gibt es in unserem Hofladen auch Lammfleisch von unserem BZG-Partner und ab Ende Mai dann wieder frische Erdbeeren», sagt Melanie Stüdli und macht auf das saisonale Angebot aufmerksam, das ihr so wichtig ist. Stüdlis setzen die meisten Produkte direkt im Hofladen oder auch am Marktstand im Dorfzentrum ab. Einige wenige Produkte gehen in die Gastronomie, an einige Firmen oder Kindertagesstätten und die Holunderblüten gelangen in die Getränkeproduktion.

Gleich neben dem Wohnhaus befindet sich die Kirschenproduktion mit Niederstammkulturen. Bild: St. Galler Bauernverband

Anlage für Kirschenproduktion

Gleich neben dem Bauernhaus befindet sich die Anlage mit den Tafelkirschen. «Ein guter Schnitt liefert den Grundstock für eine reiche Ernte», sagt Roman Stüdli, der alle Bäume mit Unterstützung seines Vaters selber schneidet. Die Kunden geben es vor, welche Kirschen auf dem Markt verlangt werden: Aromatisch, gross und fest sollen sie sein. Die Qualität und die Frische sind wichtige Faktoren, die sich Stüdlis auf die Fahne geschrieben haben. Was am Morgen geerntet wird, ist am Abend bereits verkauft.

Für einen vitalen Baum und eine gute Ernte ist ein Griff zur Schere wichtig. Bild: St. Galler Bauernverband

Die Züchtung von niedrigen Kirschbäumen bringt viele Vorteile. Neben der Einsparung von Personalkosten können kleinere Bäume auch viel besser mit Netzen geschützt werden. Roman Stüdli zeigt auf die Regenfolie und das Hagelnetz, die über die Anlage gespannt werden und bei fachmännischer Anwendung einen guten Schutz vor Vögeln und bestimmten Witterungseinflüssen wie etwa Regen oder Hagel bieten. Kurz vor der Ernte wird ein feinporiges weisses Netz rund um die Anlage gespannt. Es stellt die einzig wirksame Methode im Kampf gegen die Kirschessigfliege dar.

Bei den Kirschen ist ein feinmaschiges Netz matchentscheidend. Ohne diese Massnahme würde die Kirschessigfliege den grössten Teil der Ernte vernichten. Bild: St. Galler Bauernverband

Vernetzungsprojekt

Zeichnet es sich also ab, dass die hochgewachsenen Obstbäume aus unserem Landschaftsbild verschwinden? "Nein", wiegelt Roman Stüdli ab und zeigt auf seine Hochstämmer, die unterhalb seines Wohnhauses in Richtung Flawil stehen. Sie alle gehören zu einem Vernetzungsprojekt, das mit vertraglich geregelten Massnahmen die natürliche Artenvielfalt fördert. Verschiedene Vogelhäuschen hängen bereits und 15 neue Fledermauskästen wurden in diesem März montiert. «Der Direktverkauf von unverarbeiteten Früchten eines Hochstamm-Obstbaumes funktioniert nicht», gibt Stüdli zu bedenken. Als Alternative wird das Obst zu Konfitüren und hauptsächlich zu Süssmost verarbeitet. «Die Konfitüre aus Kirschen eines Hochstämmers schmeckt einfach anders und viele Konsumenten kommen auch deswegen immer wieder gerne auf unseren Hof», schwärmt Melanie Stüdli.

Obstbäume fördern die Artenvielfalt und bieten unzähligen Lebewesen ein Zuhause. Bild: St. Galler Bauernverband

Das steht auf dem Spiel

Am 13. Juni stimmt das Schweizer Stimmvolk über zwei Agrarinitiativen ab. «Die Ansprüche sind viel zu extrem und hätten nicht nur negative Auswirkungen für die Kunden, sondern auch für uns Bauern», begründet Stüdli seine Ablehnung. Mit der Forderung, ausschliesslich betriebseigenes Futter zu verwenden, würde die BZG auf die Probe gestellt und die einzelnen Partner sehr wahrscheinlich zum Alleingang zwingen. Zudem käme auch die Direktvermarktung unter Druck. Ernteausfälle und höhere Preise für inländische Produkte sowie zusätzliche Importe von Lebensmitteln wären die Folge. Hinzu kommen höhere Gesundheits- und Hygienerisiken, die durch den Wegfall von sogenannten Bioziden bei der Reinigung des Süssmostpasteurs und dem Hühnerstall resultieren. Viel besser als neue Forderungen zu stellen, ist die konsequente Umsetzung bestehender Massnahmen, die beispielsweise im Aktionsplan «Pflanzenschutzmittel» beschrieben werden. Mit den Forschungs- und Beratungsstellen werden stets neue Methoden für einen bestmöglichsten Schutz der Produkte entwickelt.

St. Galler Bauernverband / BF