Der vierte Sessionstag - 2. Mai 2024
Pünktlich um 09:00 Uhr begrüsste Kantonsratspräsidentin zum letzten Tag der Legistlatur 202-2024 und der laufenden Aprilsession.
Rasch ging es in die zweiten Lesungen von drei Geschäften, auf die in allen drei Fällen ohne Diskussion eingetreten wurde.
Zum Geschäft 22.23.04, V. Nachtrag zum Gesetz über die Spitalverbunde wurde ein Antrag als Auftrag an die Regierung mit folgendem Wortlaut gutgeheissen: Die Regierung wird eingeladen, die Zusammenarbeit in der Spitalplanung mit dem Fürstentum Liechtenstein voranzutreiben und dem Kantonsrat im Rahmen der Rechnung 2024 darüber Bericht zu erstatten. Bereits in der Diskussion der ersten Lesung wurde die Zusammenarbeit über die Kantonsgrenzen als sinnvoll erachtet. Dies sieht auch Regierungsrat Bruno Damann so und steht dem Auftrag sehr positiv gegenüber.
Die Geschäfte 22.24.01, lll. Nachtrag zum Gastwirtschaftsgesetz und 37.23.02, Kantonsratsbeschluss über die Auslagerung des Betriebs des Steinbruchs Starkenbach in eine Aktiengesellschaft wurden in der zweiten Lesung ohne Wortmeldung durchgewinkt.
Mit zwei Vorstössen wurde in den Zuständigkeitsbereich der Staatskanzlei gewechselt. Die Motion 42.2317, Teilhabe und Inklusion – barrierefreie Wahl- und Abstimmungsunterlagen wurde von den Motionären zurückgezogen, da ihre Forderungen sowieso geplant und teilweise schon in Bearbeitung sind. Der Kanton St.Gallen ist aktiv unterwegs, auch Menschen mit Beeinträchtigungen die Teilhabe am politischen Prozessen so gut wie möglich zu gestalten.
Das Standesbegehren 41.24.01, Digitale Transformation schweizweit mit gebündelten Kräften angehen wurde von allen Fraktionen und der Regierung gutgeheissen. Deshalb auch kurz die Diskussion und klar, dass bei digitalen Transformationen Standards für alle Kantone gleich sein sollen und man gemeinsam vorgehen muss.
Damit wurde in die zwei als dringlich erklärten Vorstösse gewechselt: eine Interpellation mit Emotion, ein Standesbegehren mit sachlicher Forderung, welche aber durch Ausführungen einzelner Exponenten im Rat auch Emotionen weckte.
Die Interpellation 51.24.28, Studienreise nach Russland: Wem ging die politische Vernunft durch die Lappen wurde von Regierungsrat Beat Tinner begründet. Sachlich der Grund, mehr über die Wolfsjagd zu lernen, sehr unüberlegt der Ort und der Zeitpunkt. Mehr lohnt sich kaum darüber zu berichten.
Mit dem Standesbegehren 41.24.04, Einführung von Bezahlkarten für Personen des Asylbereichs, zielt man darauf ab, dass den Menschen die Bezüge für ihr tägliches Leben in Form von Bezahlkarten ausbezahlt wird. Damit will erreicht werden, dass diese Mittel wirklich für das gebraucht wird, wofür sie auch gedacht sind. Innerhalb der Diskussion musste festgestellt werden, dass Ratsmitglieder entweder den Vorstoss nicht gelesen haben oder schlicht den Inhalt nicht verstehen. Schade, dass diese dann doch oder gerade darum das Wort ergreifen. Nun denn, die Mehrheit des Rates sah es wie auch die Regierung als sinnvolle Massnahme gegen den Missbrauch der bezahlten Gelder an, trat auf das Standesbegehren ein und überwies sie mit klarem Mehr als Standesinitiative nach Bern.
Damit wurden sämtliche offenen Vorstösse in dieser Aufräumsession abgearbeitet und für den Rest der Session wechselt die Ratsführung wieder zur Kantonsratspräsidentin.
Insgesamt 10 Geschäfte wurden in der Schlussabstimmung durch den Rat bestätigt und allesamt gutgeheissen.
22.22.23; XIV. Nachtrag zum Polizeigesetz (Bedrohungs-und Risikomanagement und Koordinationsgruppe Gewaltprävention, automatisierter Datenaustausch)
Resultat der Schlussabstimmung; 112 Ja 0 Nein 0 Enthaltungen
22.22.24; XV. Nachtrag zum Polizeigesetz (Präventive polizeiliche Tätigkeit)
Resultat der Schlussabstimmung; 115 Ja 0 Nein 0 Enthaltungen
22.23.03; XIII. Nachtrag zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung
Resultat der Schlussabstimmung; 115 Ja 0 Nein 0 Enthaltungen
22.22.04; V. Nachtrag zum Gesetz über die Spitalverbunde
Resultat der Schlussabstimmung; 97 Ja 16 Nein 1 Enthaltungen
Zu diesem Geschäft ergriff ein Vertreter der SP das Wort. Wie bereits in der Diskussion zum Gesetz möchte die SP die Spitäler im Status quo belassen, also in der Form, in welcher wir mit grössten Problemen im Spitalwesen arbeiten müssen. Die Spitäler müssen sich aber in ihrer Organisation weiter entwickeln können und das sah die Mehrheit des Rates so. Dies wurde auch vom Redner der Mitte mit Nachdruck in grösster Klarheit ausgeführt. Die SP sprach sich trotzdem für ein Nein aus, also stehen bleiben und damit Rückschritt: Der Rest des Rates sprach sich für die Weiterentwicklung der Spitäler im Kanton St.Gallen aus.
23.23.01; ll. Nachtrag zum Kantonsratsbeschluss über die Festlegung der Spitalstandorte
Resultat der Schlussabstimmung; 105 Ja 9 Nein 0 Enthaltungen
22.23.05; Nachtrag zum Bevölkerungsschutzgesetz
Resultat der Schlussabstimmung; 109 Ja 5 Nein 1 Enthaltungen
22.23.06; VII. Nachtrag zum Sozialhilfegesetz (Förderung und Finanzierung von Spezialpflegeangeboten)
Resultat der Schlussabstimmung; 114 Ja 0 Nein 0 Enthaltungen
22.23.07XXII. Nachtrag zum Steuergesetz (Erhöhung des Fahrkostenabzugs)
Resultat der Schlussabstimmung; 73 Ja 36 Nein 0 Enthaltungen
Zu diesem Geschäft wurde von der SP und den Grünen das Ratsreferendum ergriffen, das bedeutet: Werden 40 Stimmen erreicht, muss das Volk in einer Abstimmung über die Erhöhung des Pendlerabzuges entscheiden. Diese Abstimmung im Rat findet unmittelbar nach der Schlussabstimmung zu diesem Geschäft statt. Mit nur 37 Ja stimmen wurde die 40 Ja-Stimmen für ein Ratsreferendum nicht erreicht.
2/222.24.01; III. Nachtrag zum Gastwirtschaftsgesetz
Resultat der Schlussabstimmung; 114 Ja 0 Nein 0 Enthaltungen
37.23.02; Kantonsratsbeschluss über die Auslagerung des Betriebs des Steinbruchs Starkenbach in eine Aktiengesellschaft
Resultat der Schlussabstimmung; 113 Ja 1 Nein 1 Enthaltungen
Damit wurden alle Geschäfte der laufenden Session erledigt. Nun ging es in die Verabschiedung von 20 Mitgliedern des Kantonsrates, welche in der kommenden Legislatur nicht mehr dabei sein werden.
Bettina Surber und Christof Hartmann wechseln vom Kantonsrat in die Regierung. Weitere 18 Ratsmitglieder sind nicht mehr dabei. Ich erlaube mir nur die fünf Ratsmitglieder aus unserer Wahlkreis mit Namen zu erwähnen:
Mit Judith Durot, Cornel Egger, Andreas Widmer, Karl Schweizer und Daniel Baumgarten werden fünf bekannte Persönlichkeiten aus unserem Wahlkreis nicht mehr im Rat zu hören sein. Ich bedanke mich bei ihnen allen für ihre grosse Arbeit, teilweise über sehr viele Jahre für die Menschen insbesondere aus unserem Wahlkreis. Schön, euch alle da und dort wieder treffen zu dürfen.
Mit gewohnt markigen Worten lässt Kantonsratspräsidentin Andrea Schöb die Session ausklingen und lädt zum Kehrausapero in den Pfalzkeller.
Die Session und die Legislatur 2020-2024 ist damit um 10:53 Uhr beendet.